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Komplexe Tabellen in PIM und Publishing: Warum sie zur echten Herausforderung werden

Simpel auf den ersten Blick, tückisch in der Praxis

Tabellen dienen dazu, mehrdimensionale Produktinformationen kompakt und vergleichbar darzustellen: Maße, Werkstoffe, Ausführungen oder technische Kennwerte lassen sich so auf einen Blick gegenüberstellen, statt sie in langen Fließtext-Absätzen zu beschreiben. Genau darin liegt aber auch ihre Tücke. Kaum ein Content-Typ sorgt in PIM- und Publishing-Projekten so zuverlässig für Reibung wie die komplexe Tabelle.

Technische Datenblätter, Größentabellen, Vergleichsmatrizen oder Ausstattungsübersichten sehen auf den ersten Blick simpel aus, entpuppen sich in der praktischen Verwaltung aber häufig als eines der aufwendigeren Content-Elemente. Genau an solchen Tabellen zeigt sich in Beratungsprojekten immer wieder dasselbe Muster: Sie sind im System kaum zu pflegen, und beim Publishing zerbricht das Layout.

Was macht eine Tabelle überhaupt komplex?

Eine Tabelle wird komplex, sobald sie über eine einfache Zeile-Spalte-Matrix hinausgeht. Dazu zählen verbundene Zellen über mehrere Zeilen oder Spalten hinweg, verschachtelte Tabellen innerhalb einzelner Zellen, eine variierende Spaltenanzahl je nach Zeile sowie Fußnoten und Referenzen, die an einzelne Zellen gebunden sind. Hinzu kommen variantenabhängige Zellwerte und lokalisierte Maßeinheiten auf Zellebene.

Ein Hersteller von Industriearmaturen pflegt zum Beispiel eine Tabelle mit Druckstufen, Werkstoffen und Anschlussmaßen: Je nach gewählter Variante ändern sich ganze Zeilen, und in der englischen Fassung müssen zusätzlich Zoll- statt Millimeterangaben stehen.

Eine weitere Form sind berechnete Zellwerte, die sich aus anderen Zellen ergeben, statt manuell gepflegt zu werden. Ein Hersteller von Verpackungslösungen zeigt zum Beispiel in einer Tabelle Gebindepreis und Gebindegröße, während der Preis pro Einzelstück daraus errechnet wird. Ändert sich der Gebindepreis, muss sich der abgeleitete Wert automatisch mit anpassen, sonst driften beide Angaben auseinander.

Sobald eines dieser Merkmale hinzukommt, reicht eine einfache Attribut-Wert-Struktur im Datenmodell nicht mehr aus.

Warum stoßen PIM-Systeme und Websysteme bei komplexen Tabellen an ihre Grenzen?

Die meisten PIM-Datenmodelle sind darauf ausgelegt, jedem Produkt einzelne Attribute mit jeweils einem Wert zuzuordnen, fachsprachlich als EAV-Prinzip bekannt, kurz für Entity-Attribute-Value, auf Deutsch etwa Objekt-Attribut-Wert. Eine Tabelle mit variabler Struktur, Zeilen- und Spaltenverweisen sowie zellspezifischer Formatierung und Varianten-Logik passt in dieses Muster nur schwer hinein.

Selbst etablierte Datenstandards für technische Datenblätter wie ETIM oder BMEcat decken einzelne Merkmalslisten gut ab, sind aber nicht für frei strukturierte, mehrdimensionale Tabellen gemacht.

Die Folge in der Praxis: Redakteure pflegen Tabellen als eingebettetes HTML-Fragment oder als Bilddatei, weil das native Datenmodell keine strukturierte Abbildung erlaubt. Damit gehen jedoch Versionierung, Mehrsprachigkeit auf Zellebene und Wiederverwendbarkeit einzelner Tabellenteile verloren.

Warum wird das Publishing als PDF zur zweiten Hürde?

Selbst wenn eine Tabelle im PIM sauber strukturiert vorliegt, beginnt beim Publishing die nächste Herausforderung. Layout-Engines für den Katalog- oder Datenblattdruck, etwa priint:comet, benötigen adressierbare Zellstrukturen, um Spaltenbreiten, Seitenumbrüche innerhalb einer Tabelle und zellspezifische Formatierung korrekt umzusetzen.

Eine Tabelle, die im Web responsiv umbricht, muss im Print-Layout dagegen exakt auf eine Seite passen oder kontrolliert über mehrere Seiten fortgesetzt werden, inklusive wiederholter Kopfzeile.

Die konkrete technische Umsetzung dieses Mappings liegt im Verantwortungsbereich des jeweiligen Publishing-Partners. Aus PIM-Sicht entscheidend ist, dass die Datenquelle diese Struktur überhaupt sauber liefern kann.

Was sollte ein PIM oder CMS für die Verwaltung komplexer Tabellen mitbringen?

Damit Tabellen im Alltag wirklich handhabbar werden, sollte ein PIM oder CMS einige Voraussetzungen mitbringen:

  • Ein eigener Tabellen-Typ statt HTML-Fragment 
    Zeilen, Spalten und einzelne Zellen lassen sich dann gezielt ansprechen und bearbeiten. Ein Redakteur kann zum Beispiel gezielt den Wert einer einzelnen Zelle in Zeile 4, Spalte 3 ändern, statt den kompletten HTML-Code der Tabelle zu öffnen und die richtige Stelle darin zu suchen.
  • Verbundene Zellen und unterschiedliche Spaltenzahlen pro Zeile
    So bleiben auch ungewöhnliche Tabellenformen technisch sauber abgebildet. Etwa eine Kopfzeile, in der sich „Druckstufe“ über zwei Spalten erstreckt, während darunter die eigentlichen Werte in getrennten Spalten stehen.
  • Varianten direkt in der Tabelle
    Wenn sich Werte je nach Produktausführung unterscheiden, sollte das System das abbilden können, ohne die Tabelle zu duplizieren. Beim Armaturen-Beispiel von oben heißt das: Für Variante A stehen automatisch die Werte für Variante A in der Tabelle, für Variante B die passenden Werte, ohne dass zwei komplett separate Tabellen gepflegt werden müssen.
  • Sprachen und Maßeinheiten auf Zellebene
    So lässt sich zum Beispiel eine einzelne Zelle auf Englisch mit Zoll-Angabe pflegen, unabhängig vom Rest der Tabelle. Konkret: Die Spalte „Anschlussmaß“ zeigt in der deutschen Version „50 mm“, in der englischen Version automatisch „2 in“, ohne dass jemand die Tabelle händisch für jede Sprache neu aufbaut.
  • Versionierung und Wiederverwendung
    Eine einmal gepflegte Tabelle oder auch nur ein Tabellenteil lässt sich dann in mehreren Produkten oder Publikationen einsetzen. Etwa eine Werkstoff-Tabelle, die für die gesamte Armaturen-Serie gilt: Sie wird einmal gepflegt und taucht dann automatisch in jedem einzelnen Produktdatenblatt der Serie auf. Ändert sich ein Wert, muss er nur an einer Stelle korrigiert werden.
  • Trennung von Inhalt und Darstellung
    Dieselbe Tabelle kann so im Web responsiv dargestellt werden und im Print-Layout trotzdem exakt passen. Im Onlineshop klappt die Tabelle auf dem Smartphone in einzelne aufklappbare Zeilen um, während dieselbe Tabelle im gedruckten Katalog als klassisches Raster über die volle Seitenbreite erscheint, beides aus derselben Datenquelle.
  • Zugängliche Darstellung im Web
    Damit Tabellen auch für Nutzer mit Screenreadern verständlich bleiben. Ein Screenreader kann dann beim Vorlesen einer Zelle automatisch die zugehörige Spaltenüberschrift mit ansagen, etwa „Anschlussmaß: 50 mm“, statt nur die nackte Zahl vorzulesen.

Fazit

Komplexe Tabellen sind kein Randthema, sondern ein Lackmustest für die Datenmodell-Qualität eines PIM-Systems. Wer Tabellenstrukturen von Anfang an als eigenen, strukturierten Objekttyp mit Zellreferenzen, Varianten-Logik und Mehrsprachigkeit denkt, reduziert den manuellen Nacharbeitsaufwand, der sonst spätestens beim Publishing als PDF entsteht.

Sie stehen vor genau diesen Herausforderungen bei der Verwaltung oder Publikation komplexer Tabellen? Wir beraten Sie gerne dazu, wie sich Ihre Tabellenstrukturen sauber abbilden lassen. NovaDB als Headless CMS und PIM-System ist dafür ein geeignetes Werkzeug: Es bildet auch hochkomplexe Tabellen strukturiert ab und unterstützt deren Verwaltung über Varianten, Sprachen und Publikationskanäle hinweg.

Ja, sofern das PIM einen eigenen Tabellen-Typ mit adressierbaren Zellen vorsieht. Eine verschachtelte Tabelle wird dann als eigenständige Referenz innerhalb der übergeordneten Zelle abgelegt, statt als HTML-Fragment eingebettet zu werden.

Über sprachabhängige Zellwerte: Dieselbe Zelle zeigt in der deutschen Version zum Beispiel „50 mm“ und in der englischen Version automatisch „2 in“, ohne dass die Tabelle für jede Sprache neu aufgebaut werden muss.

Ein berechneter Zellwert, etwa der Preis pro Einzelstück, wird aus anderen Zellen wie Gebindepreis und Gebindegröße abgeleitet. Ändert sich der Gebindepreis, passt sich der abgeleitete Wert automatisch an, statt manuell nachgepflegt zu werden.

Ein HTML-Fragment lässt sich zwar darstellen, aber nicht strukturiert bearbeiten, versionieren oder pro Sprache und Zelle anpassen. Damit gehen genau die Eigenschaften verloren, die komplexe Tabellen im Alltag handhabbar machen.

Volker Römisch

Head of Consulting bei Noxum und berät Unternehmen zu Best Practices in den Bereichen Content Management, technische Dokumentation, elektronische Standards und PIM-Strategien.

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